in & out, mediabouts, reportage — 23. August 2011 18:15

Maylee Todd VS Janelle Monae

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Die Eine: Kontaktfreudig. Phantasievoll. Bunt. Komisch. Extrovertiert. Die Andere: Kühl. Zugeknöpft. Puristisch. Ambitioniert. Die Rede ist von zwei Künstlerinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, trotz vieler Gemeinsamkeiten. Zwei Konzepte des Musik- und Celebrity-Marketings, zwei unterschiedliche Wege des Erfolgs.

Janelle Monáe. The Architect

Janelle Monáe, die Kühle mit dem kalkuliert-konstruktivistischen Konzept, sonnt sich als Rising-Star (und Straße rauf Straße runter bekannter Geheimtipp)  im Scheinwerferlicht der Medien. Monáe kann sich mit Cola TV-Spot und Grammy-Nominierung in der Westentasche als im Pop-Olymp längst angekommen betrachten. Den jüngsten Bekanntheits-Schub erhält die chronisch Smoking tragende Jung-Diva durch Medienikone Karl Lagerfeld – der outet sich in einem Interview als bekennender Monáe-Hörer. Ob es der gemeinsame Hang zur abgehobenen Pose oder die lagerfeldsche Liebe zur Musik ist, die hier zum Ausdruck kommtt, macht keinen wirklichen Unterschied – die sprichwörtliche Monae-Aktie geht durch die Decke.

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Maylee Todd. The Expressionist

Maylee Todd hingegen ist mit nicht ganz so großem Erfolg aber mit wahrscheinlich weitaus mehr Spaß auf verschlungenen Pfaden im Dickicht des internationalen Konzert- und Musik-Dschungels unterwegs. Expression first. Die gänzlich unblaiserte, kanadische Multi-Artistin hat ihre Wurzeln im Konzert-Business und in der Comedy-Szene, spielt mehrere zum Teil exotische Instrumente, singt, ist ein Energie-Bündel und steckt voller Ideen. Ihr Auftritt: Kaleidoskopartig, unorthodox. Das macht Sie zu einem echten Geheimtipp und zu einem ansteckend-unterhaltsamen Bühnen-Ereignis. Bescheiden im Auffahren von Equipment und Dekoration, großartig im Output. Ein bisschen Woodstock eben.

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Zufallsfund

Zu erleben waren die beiden komplett unterschiedlichen Acts anlässlich der C/O Pop in Köln. Location: Der Tanzbrunnen. Kuriosum: Der Veranstalter (nicht zu verwechseln mit dem Location-Provider) kündigte den Auftritt Todds als Monae Vorgruppe nicht einmal an … und wenn doch, dann so diskret, dass diese Information in der großen Cloud vernetzungsbegeisterter Insider-Beplauderung völlig unterging. Womit dieser Bericht eigentlich als zufällig zustandegekommen betrachtet werden kann – keiner wusste davon. Dass Maylee Todd trotzdem völlig ungleichgewichtig mit vielen Fotos und Janelle Monae nur als Illustration zu sehen ist, liegt an einer persönlichen Verhinderung des Autors und daran, dass ein späteres Interview nicht zustande kam. Obwohl sich Janelle Monáe damit die Gelegenheit geboten hätte, einem jungen dunkelhäutigen Mädchen (brandjobber Video-Filmerin und Second Photographer Mari) etwas von ihrer Stärke weiterzugeben.

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Von der Nichtzufälligkeit des Erfolgs

Woran liegt aber diese Unterschiedlichkeit des Erfolges? Alles Zufall? Oder die Koinzidenz von Zielmarkt, Markenkonzept und Konjunktur?

Janelle Monáe toll zu finden ist einfach. Vielleicht  ein bisschen zu einfach. Monae lässt sich in die Rubrik zeitgemäß aktualisierter aber dennoch relativ klassisches, schwarzes Konzept für den weißen, intellektuellen Mainstream einordnen. Ihr Auftritt ist europäisch inspiriert. Goldene Zwanziger, Fritz Lang, Art-Deco. Monaes Inszenierung verbindet etablierte Hochkultur, uniformierte Bigband-Auftritte, Marketingprofessionalität und Ausdrucksstärke in der Umsetzung zum zeitgemäß-erfolgreichen Mix. Sie ist anti-vulgär. Und lässt dabei Kritik an den Freizügigkeits-Klischees sonstiger Stage-Acts mitschwingen.

Corporate Design

Trotz Knopfaugen und niedlicher Monchichi-Physiognomie wirkt das Phänomen Monáe unnahbar und distanziert. In Interviews gibt die hübsche Aufsteigerrin gestanzte Allgemeinheiten von sich. Sie möchte Mädchen, die so aussehen wie sie, zum Vorbild dienen und sie stark machen. Sie sei eine Anführerin. Ihre Kunst solle die Menschen inspirieren, damit sie Sinn darin finden. Auch Monáes Posings beruhen auf wiederkehrenden Stereotypen. Viele Bilder zeigen sie im Halbprofil. Dabei schaut sie eher ausdruckslo aus dem Augenwinkel zur Kamera. Bei so viel Kontrolle bleibt naturgemäß wenig Raum für Persönliches. Möglicherweise gibt es sogar eine Corporate-Design-Guideline, die das alles regelt. Warum eigentlich nicht?

Schwarz-Weiß-Malerei

Damit begibt sich Janelle Monae auf Distanz zur Direktheitskultur der schwarzen US-Community, die sie bildsprachlich, in ihren Blogs und Photoauftritten, umso heftiger an die Brust nimmt. Auf dem Key-Visual Ihrer Wondaland-Website, ein Konzertbild, ist kein einziges weißes Gesicht zu sehen.  Ausschließlich begeisterte african-descent US-Amerikaner. Man muss schon ein Mick Jagger oder eine andere Showgröße sein, um weiß mit ihr aufs Bild zu kommen. Der Google Bilder-Modus macht die Diskrepanz zwischen Monáes Konzert- und Audience-Realität und der Imageinszenierung deutlich. Aber was solls? Sie ist eine großartige Künstlerin.

Der Kanadierin Todd, kreativer Spross französisch-philippinischer Eltern, würde man ein bisschen von Monáes Bekanntheit und Reputation auch in Deutschland wünschen. Sie ist wahrscheinlich nett. Und ihre Performance hätte es verdient.

 

 

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